Neuerscheinung: Jean-Paulsche Bagatellen

Die Jean-Paulschen Bagatellen erscheinen im Musikverlag V. Nickel in einer Fassung für Viola und Harfe (MVN 46) sowie in einer Fassung für Violoncello und Harfe (MVN 18).

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„Eine erste Fassung der Jean-Paulschen Bagatellen entstand im Spätsommer 1992 als Nachrede zum eben vollendeten Klaviertrio Siebenkäs-Musik und als Geburtstagsgruß für meinen langjährigen Kompositionslehrer Wilhelm Killmayer. Mein Plan war, eine der schillernden, verwickelten, beziehungs- und anspielungsreichen Prosa Jean Pauls ähnlich geartete musikalische Prosa gegenüber zu stellen und dabei mit Hörerwartungen zu spielen: Scheinbar Vertrautes sollte sich als befremdlich entpuppen, Visionäres und Nüchternes, Groteskes und Erbauliches, Empfindsames und Grobschlächtiges unmittelbar aufeinandertreffen oder ineinander gehen.
Da ich nicht glaube, dass musikalisches „Material“ sich per se abnutzt, sondern allenfalls die Art und Weise eines bestimmten (historischen) Umgangs mit ihm, entlieh ich aus der Musiksprache komponierender Wesensverwandter Jean Pauls – etwa dem späten Beethoven, auch Schubert und insbesondere Schumann – das an Vokabular und Grammatik, was mir noch immer frisch und unverbraucht erschien, um es mit meiner eigenen musikalischen Rhetorik zu verschmelzen.
Mehr noch als die Siebenkäs-Musik verlangen die Jean-Paulschen Bagatellen den raschen, unvermittelten Wechsel in der Musizierhaltung von ihren Interpreten. Der nervös-flatterhafte, unstete Charakter, das Ausscheren, Umbiegen, Innehalten und Entfliehen der Musik ist hier gewissermaßen das Thema selbst. Bei der Arbeit an der hier vorliegenden Fassung stellte ich erstaunt fest, dass in den ersten acht Takten – trotz ihres rhapsodischen Charakters – bereits all die motivischen Elemente in nuce enthalten sind, die im weiteren Verlauf des Stückes den unberechenbaren Wandlungen eines sanguinischen Temperamentes unterworfen werden.“

Markus Schmitt, Augsburg 2014

 

 

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